Workshop mit Aaron Marcus zum Thema Cross-Cultural User Experience
Dienstagmorgen nach meinen Ferien. Was wird mich wohl erwarten. Gehört und gelesen habe ich von Aaron Marcus schon einiges und in Denver an einer Konferenz habe ich ihn auch schon live erlebt, doch einen ganztägigen Workshop habe ich doch noch nie bei ihm gemacht.
Das Thema, das Aaron Marcus seit langem beschäftigt und in dem er von der Community als Experte betrachtet wird, sind die interkulturellen Aspekte im Bezug auf die Interaktion zwischen Mensch und Computer.
Um 9 Uhr startet Aaron Marcus und steigt mit einer Präsentation seiner eigenen Firma ein (eine Eigenart von Amerikanern, die mit Eigenwerbung einfach viel lockerer umgehen als wir Schweizer … schon der erste kulturelle Unterschied). Interessanterweise spricht Aaron Marcus immer wieder Wörter auf Deutsch aus. Es scheint so, dass er eigentlich der deutschen Sprache mächtig wäre, doch scheinbar reicht es nicht ganz, um den ganzen Workshop auf Deutsch zu halten.
Mit vielen Beispielen zeigt er auf, wo denn die Unterschiede bei den GUI’s (Graphical User Interfaces) von den USA über Europa bis zu China, Taiwan und Japan zu finden sind. Interessanterweise ist Afrika und Südamerika für Aaron Marcus kein Thema, denn die südliche Halbkugel erwähnt er eigentlich selten bis gar nie. Mit dem Modell von Hogrefe werden verschiedenste Interfaces angeschaut und beurteilt. Dieses Modell versucht auch zu erklären, weshalb gewisse Interfaces so aussehen, wie sie aussehen und weshalb sie unterschiedlich sind zu Interfaces von anderen Kulturen.
Spannend war der Workshop. Die Quintessenz daraus war für mich eigentlich schon bekannt: Um sicher zu sein, ob ein GUI in der entsprechenden Kultur funktioniert, muss es auch in der entsprechenden Kultur getestet werden. Doch das von Aaron Marcus zu hören, der sich seit längerem mit genau diesen Themen befasst, war doch wirklich sehr toll.
Marcel B.F. Uhr
PS: Auf mehrfachen Wunsch hier noch das eine oder andere Beispiel, über das Aaron Marcus gesprochen hat:
Im Vergleich der Websites von FedEx und DHL für Saudi Arabien hat jene von FedEx nicht funktioniert, da auf der Startseite eine junge Frau asiatischer Herkunft abgebildet war. Es gab hier zwei Probleme: 1. Es war eine Frau und schon der Saudische König hat Zeitungen verboten Bilder von Frauen zu veröffentlichen. 2. Es war eine Asiatin, wenn schon denn schon hätte es eine Araberin sein sollen.
Vergleich zweier Websites von Nationalparks: In den USA wird der Benutzer direkt angesprochen und alle Services für den Besucher aufgelistet und in den Vordergrund gestellt (“Welcome Visitor!”). In Costa Rica wird die Schönheit des Parkes in den Vordergrund gestellt und was im Park alles zu besichtigen ist (“No Artificial Ingredients”).
Unterschiede bei der Gestaltung von mobilen Interfaces zwischen China und Deutschland: In China soll man Schritt für Schritt die wichtigsten Funktionen erklären, in Deutschland einen klaren Überblick über alle Funktionen darstellen. In China sollen Prozesse mit Bildern erklärt werden, in Deutschland soll mit Bildern ein Überblick aufgezeigt werden.


