Beim Prototyping geht es nicht um Tools!

Axure-Prototyp eines iPhone-Interfaces

Axure-Prototyp eines iPhone-Interfaces

In einem Projekt, das soultank AG letzten Herbst durchgeführt hat, wurde in vier Iterationen das Interaktionskonzept einer Website kontinuierlich mit Benutzern verbessert. Dies anhand eines Axure-Prototyps. Das interessante dabei war, dass bei der Offerierung davon ausgegangen wurde, dass auf dem Balsamiq-Mockup, das der Kunde schon hatte, aufgebaut werden könnte und die ersten beiden Iterationen damit durchgeführt würden. In den ersten Workshops wurde dann aber festgestellt, dass der Prototyp eine hohe Interaktivität gewährleisten musste, deshalb wurde direkt mit Axure begonnen.

Dank der Flexibilität des Kunden und der Erfahrung seitens soultank AG konnte so in kürzester Zeit gewinnbringende Erkenntnisse gewonnen werden, da schneller und einfacher Anpassungen am Prototyp gemacht werden konnten.

 

Prototyping & Usability Testing führt zum Ziel

Prototyping ist aus meiner Sicht eine der mächtigsten Methoden, um zu einem intuitiv zu bedienenden Interface zu kommen. Dies vor allem dann, wenn iterativ (also: Prototyp erstellen, testen, Protoyp verbessern, testen, etc.) gearbeitet wird und die Prototypen mit realen Benutzern auf Herz und Nieren getestet werden. Es reicht also nicht einfach nur schöne Prototypen zu entwickeln, sondern sie müssen auch getestet werden.

Dieser iterative Prozess ist für uns selbstverständlich, da wir nach dem Prozessmodell für Benutzerzentrierte Entwicklung ISO 9241 Teil 210 vorgehen. Dort ist Prototyping der 3. Schritt. Auch hier wird Prototyping nicht als alleinige Disziplin verstanden, sondern klar in Kombination mit der Evaluation mit effektiven Benutzern.

Axure? Balsamiq? Paper & Pencil?

Eine oft geführte Diskussion ist die Diskussion über das zu wählende Tool, um Prototypen zu entwickeln. Aus Usability-Sicht ist diese Diskussion irrelevant, da es nicht auf das Tool ankommt, sondern auf den Prozess. Um zu entscheiden welches Tool am besten geeignet ist muss man abklären:

  • In welcher Phase eines Projektes man sich befindet (ganz am Anfang, oder wurden bereits Konzepte entwickelt?)
  • Welche Fragestellungen mit dem Prototypen geklärt werden sollen

Sind diese Fragen beantwortet kann man definieren welche Eigenschaften ein Prototyp haben soll. Wichtig Eigenschaften sind:

  • Detaillierungsgrad (z.B. ist sehr detaillierte Graphik nötig, oder nur andeutungsweise Platzierung der Funktionen?)
  • Breite (z.B. viele Funktionen oder nur eine Einzige?)
  • Tiefe (z.B. eine einzelne Funktion sehr ausgeprägt in der Funktionalität oder nur oberflächlich?)
  • Interaktivität (z.B. sind Animationen nötig?)
  • Datenqualität (Braucht es echte Daten, oder genügen Dummy-Daten?)

Erst dann kann man sich für das richtige Tool entscheiden.

Fazit

Es kommt nicht auf das Tool drauf an, sondern auf den Prozess. Oft ist es zielführender, vor allem in frühen Phasen des Projektes, wenn mit Papier und Bleistift (Paper&Pencil) gearbeitet wird und nicht schon mit High-End-Tools. Die effektive Kunst ist die richtige Wahl des Tools zum richtigen Zeitpunkt. Ganz nach dem Motto “a fool with a tool, is still a fool”.

Marcel B.F. Uhr

 

 

1 Kommentar

  1. Interessanter Blog Post. Interessanterweise kann man das Fazit auch umformulieren und dann nicht nur auf Prototyping-Tools anwenden, sondern auf alle unsere Methoden. “Es kommt nicht (nur) auf die Methode drauf an, sondern auch auf den Prozess”.

    Natürlich sind gewisse Methoden besser geeignet um gewisse Ziele zu erreichen, jedoch haben andere Einflussfaktoren einen nicht geringen Einfluss. Solche Einflussfaktoren können sein:
    - momentaner Projektphase (Anforderungserhebungsphase? Konzeptphase? Implementationsphase?)
    - Budget des Kunden

    Darum können wir jeweils nicht nach Schema F eine Methode einsetzen, sondern müssen von Projekt zu Projekt die geeigneten Methoden wählen, was zum Teil eine grosse Herausforderung sein kann.

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