Touch-Technologien – Intuitiv bedienbare Benutzungsoberflächen

Beispiel für Multitouch mit Infrarotgitter
Beispiel für Multitouch mit Infrarotgitter

Touchscreens, wohin das Auge reicht: Drucker, iPhone, POS-Systeme wie Selbstbedienungskasse, Fahrkartenautomat und Quick Check-in am Flughafen sind nur einige Beispiele. Schöne neue Welt?

Um dieser Frage nachzugehen, müssen wir uns etwas näher mit dem Thema Touch-Technologien auseinandersetzen.

Touchscreens sind eigentlich nichts anderes als berührungsempfindliche Displays, Bildschirme oder Monitore, die der Benutzer über die direkte Berührung mit Finger oder Zeigestift steuern kann. Sie vermitteln den Eindruck einer direkten Interaktion zwischen Benutzer und System, da bei ihrer Bedienung auf ein digitales Eingabesystem, wie etwa Maus oder Tastatur verzichtet werden kann. Gerade dies ist der grosse Vorteil beim Einsatz von Touchscreens, da so das Nutzungserlebnis direkter wahrnehmbar wird und wesentlich stärker in den Vordergrund tritt.

Kommerzielle Touch-Technologien gibt es bereits seit den 1970er Jahren. Doch gerade in den letzten Jahren rückten bekannte Vertreter wie das iPhone von Apple oder das Surface-System von Microsoft diese Technologie wieder ins Zentrum des Interesses.

Unterschiedliche Technologien

Aktuell zählen Branchen-Experten rund 20 unterschiedliche Touch-Technologien, die sich hinter einem Touchscreen verbergen können.

Warum gibt es eine solche Vielzahl? Jeder Touch-Technologie liegt eine andere technische Funktionsweise zugrunde, die bestimmte Stärken oder Schwächen aufweist. Je nach Einsatzgebiet und Branche unterstützt die eine oder die andere Technologie besser im praktischen Einsatz.

So muss das Touchscreen des  iPhones z. B. eine hohe optische Qualität aufweisen, eine Mehrfachberührung zulassen, sehr belastbar sein und eine beständige Qualität zeigen. Diese Anforderungen können mit einem Netz aus projizierenden kapazitiven Feldern umgesetzt werden. Dabei entsteht eine elektrisch leitfähige Schicht, die auf die elektrische Ladung bspw. einer Fingerspitze reagiert und so Signale feststellen kann.

Druckempfindlicher Touchscreen
Druckempfindlicher Touchscreen

Resistive Systeme sind wiederum eher in Industrieanwendungen und Tablet PCs zu finden, da sie sehr robust sind und nachgerüstet werden können. Diese Touchscreens sind druckempfindlich und bestehen aus zwei elektrisch leitfähigen Schichten (Sandwich-Schicht), die durch Druck (z. B. durch Finger) zeitweise verbunden werden.

In PC-Bildschirmen (z. B. Bank-Terminals, Fahrkartenautomaten) finden häufig optische Technologien ihren Einsatz. Sie bestehen aus einem Infrarot-Gitter, dass auf Unterbrechungen durch Berührung reagiert und so Signale weitergibt, die Aktionen auslösen. Ähnlich funktioniert die Steuerung mittels akustischen Schallwellen (AOW). Hier legen sich akustische Oberflächenwellen über das Touchscreen. Jede Berührung erzeugt Schallwellen, die letztendlich in einer Aktion münden.

Eine Nutzungskontextanalyse kann darüber Aufschluss geben, welche Touch-Technologie die Richtige ist. Sie erfasst u. a. die unterschiedlichen Nutzungssituationen, in denen das Produkt eingesetzt wird, beleuchtet die technischen und physikalischen Rahmenbedingungen (Arbeitsumgebung, Raumbeschaffenheit) und analysiert die jeweilige Nutzergruppe.

Im Gespräch: Natural User Interfaces (NUI)

Eine neue Generation von Benutzeroberflächen treibt die Entwicklung einen Schritt weiter. Die Bedienung dieser Oberflächen greift natürliche, gewohnte Bewegungen des Menschen auf und ermöglicht eine unmittelbare Interaktion mit dem System durch Handbewegungen oder den Einsatz von Objekten. Ein bekanntes Beispiel dafür ist das Surface-System von Microsoft. Hier können mehrere Benutzer gleichzeitig an einem Multitouch-Tisch durch Berührung (z. B. Wischen, Tippen) Anwendungen steuern. Der Tisch erkennt zusätzlich auf dem Touchscreen befindliche Gegenstände und bezieht diese mit in die Interaktion ein. Grundlage ist auch hier eine optische Technologie mit hinter dem Bildschirm positionierten Kameras. Es gibt weitere Beispiele wie „beMerlin“ von Atracsys, „Computer QB1“ von Ozwe oder „Ring°Wall“ von Sensory Minds, die Lust auf mehr machen.

Sicher wird es noch einige Zeit dauern, bis Natural User Interfaces kommerziell benutzt werden können, doch die Forschung in diesem Bereich schreitet immer weiter voran.

Noch einmal zu der Frage zurück: Schöne neue Welt? Ja – aber sicher. Warum? Touchscreens bieten ihren Benutzern schon heute ein gesteigertes Nutzungserlebnis. Die neuen Bedienkonzepte der Natural User Interfaces sind zukunftsweisend und eröffnen völlig neue Möglichkeiten der Interaktion. Dies kann zu einer weiteren Steigerung der User Experience führen.

Bianca Redel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.