Usability und Umweltschutz – beisst sich das?

Was hat Ergonomie und Usability von Produkten mit Umweltschutz zu tun? Mehr, als man im ersten Augenblick annimmt.

Wenn man an Ergonomie und Usability denkt, dann kommt einem der Begriff „Sicherheit“ oft als erstes in den Sinn. Eine gute Ergonomie und Usability führt meist auch zu einer hohen Sicherheit in der Bedienung. Nicht um sonst sind in der für unseren Berufsstand massgebenden ISO-Norm 9241 Teil 110 die Begriffe „Fehlertoleranz“ und „Lernförderlichkeit“ zwei der sieben wichtigen Beurteilungskriterien, die direkt oder indirekt auf die Sicherheit der Nutzung deuten.

Ergonomie/Usability und Umweltschutz jedoch sind Begriffe, die noch nicht häufig mit einander in Verbindung gebracht werden, obwohl sie bei genauerer Betrachtung einiges miteinander zu tun haben:

Aptamil Milchpulververpackung
Nutzerfreundlich: Babynahrung von Milupa.

Schauen wir uns z. B. mal Verpackungen an. Am Beispiel des Milchpulvers für Babies von Aptamil, kann von einer sehr guten Ergonomie/Usability gesprochen werden. Es wird klar signalisiert, wie die Verpackung aufgemacht werden soll, wo der Portionenlöffel angebracht ist und wie er verwendet wird. Doch wenn diese Verpackung aus der Umweltsicht betrachtet wird, dann schneidet sie sehr schlecht ab. Die für die Ergonomie/Usability positiven Punkte, erzeugen einen markanten Mehraufwand in der Verpackung und produzieren so mehr Abfall.

Ist also, wie das Beispiel zeigt, Ergonomie/Usability und Umweltschutz in einem negativen Verhältnis zu verstehen? Nein, ganz im Gegenteil, denn selbst das aufgezeigte Beispiel kann sich in Bezug auf den Umweltschutz zum Positiven wenden, wenn für das Milchpulver Nachfüllpackungen verwendet werden und die Verpackung und der Portionenlöffel mehrfach benutzt werden.

Definition Usability
Definition Usability

Wenn man nun von der Hardware zur Software wechselt zeigt sich noch ein viel interessanteres Bild: Die Ergonomie/Usability will hier ja vor allem die Effizienz, die Effektivität und die Zufriedenheit der Benutzer steigern. Konkret soll die Benutzerin schneller ihre Aufgabe erfüllen oder der Benutzer soll einfacher die Information finden, die er sucht. Dadurch brauchen die Benutzer weniger lange, um ihre Aufgaben am System zu erfüllen und entsprechend weniger Energie wird verbraucht. Zwar liegen keine konkreten Zahlen vor, doch wenn man sich überlegt, dass dank guter Ergonomie/Usability Benutzer z. B. weniger oft Suchanfragen im Internet stellen – jede Suchanfrage bei Google verbraucht ja ca. 0,0003 Kilowattstunden Strom, was eine 60-Watt-Glühbirne ca. 20 Sekunden brennen lässt – dann hat die Ergonomie/Usability nicht nur einen positiven Effekt auf die Zufriedenheit der Benutzer, sondern sogar einen Spareffekt.

Entsprechend kann in dieser einfachen Betrachtung aufgezeigt werden, dass eine gute Ergonomie/Usability also sicherlich etwas mit Umweltschutz zu tun hat und dies mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sogar im positiven Sinne!

Marcel B.F. Uhr

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