Technik für ein selbstbestimmtes Leben: 5. Deutscher AAL-Kongress

Eröffnungsvortrag von Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, Berlin
Eröffnungsvortrag von Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, Berlin

Am 24. und 25. Januar 2012 war es soweit: in Berlin fand der 5. Deutsche AAL-Kongress statt. Der Kongress bot Forschern, Entwicklern, Herstellern und Anwendern sowie Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verbänden eine ideale Plattform für einen intensiven Wissensaustausch. Thema war dieses Jahr „Technik für ein selbstbestimmtes Leben“.

Was verbirgt sich hinter diesem Leitthema? Technik soll Menschen in allen Lebenssituationen unterstützen: von der Arbeitswelt, über die soziale Teilhabe bis zur Mobilität. Hierzu wurden auf dem Kongress praktische Anwendungsbeispiele, Konzeptstudien von morgen und technische Lösungen von heute diskutiert.

Dieser Kongress gilt als Leitkongress im Innovationsfeld „Altersgerechte Assistenzsysteme“. Da die Orientierung auf den Benutzer auch in diesem Bereich eine immer grössere Rolle spielt und uns thematisch interessiert, nahmen auch wir teil.

Themenschwerpunkte:

  • Arbeit – Pflege – Technik
    Praktische Anwendungsszenarien technischer Lösungen im Bereich Arbeit und Pflege
  • Teilhabe – Mobilität
    Lösungen, die die soziale Teilhabe und Mobilität älterer Menschen verbessern
  • Themen von morgen
    Innovative Ideen und Konzeptstudien der Technik von morgen
  • Technische Forschung
    Erkenntnisse der technischen Forschung von heute

Besonders spannend gestaltete sich der Workshop „Gesten in der Mensch-Maschine-Interaktion“, der am Vortag des Kongresses stattfand.

Interaktion "Spread"-Geste (Quelle: L. Wroblewski, Touch Gesture Cards)
Interaktion "Spread"-Geste (Quelle: L. Wroblewski, Touch Gesture Cards)

In diesem wurde u.a. von einem Kommunikationswissenschafter die These vertreten, dass im Zusammenhang mit der Gestensteuerung für Touchscreens nicht von intuitiven natürlichen Gesten (NUI = „Natural User Interface“) gesprochen werden kann. Die meisten bisher eingesetzten Gesten (z. B. „Spread“-Geste zum Vergrössern von Inhalt auf einem iPhone über Spreizen der Finger) sind Gebrauchsbewegungen, die genauso wie das Drehen des Schlüssels, um das Schloss einer Tür zu öffnen, erlernt werden müssen. Wenn man es sich richtig überlegt, ist diese Aussage zutreffend. Gesten müssen zu Beginn wie eine Art Kommandosprache erlernt werden und werden nicht per se ohne Nachdenken angewendet. Wirkliche Gesten sind mit Kommunikationsbewegungen gleichzusetzen, die sich je nach Kontext und Gegenüber intuitiv ergeben – ohne Nachzudenken.

Beispiel für berührungslose Interaktion
Beispiel für berührungslose Interaktion

Weiter war interessant festzustellen, dass bisher übergreifende einheitliche Richtlinien zur Gestaltung von Gesten in der Mensch-Maschine-Interaktion fehlen. Also, es gibt viel zu tun in diesem Bereich…

Neben dem Kongress stellten verschiedenste Firmen und Institute ihre Dienstleistungen, Produkte und Forschungsergebnisse vor. Beeindruckend war das Erlebnis von berührungsloser Interaktion (via der Hardware „Kinect“) mit einem Trainingsprogramm zur Rehabilitation. Auch für jemanden, der sich tagtäglich mit dem Bereich Usability und User Experience auseinandersetzt, kein leichtes Unterfangen.

Der Kongress war äusserst spannend. Er zeigte einmal mehr, dass die modernste Technik wenig bringt, wenn sie nicht auf Ihre jeweiligen Benutzer abgestimmt ist.

Mehr zum Thema: Ambient Assisted Living (AAL)

 

 

Bianca Redel

 

 

Ein Kommentar zu “Technik für ein selbstbestimmtes Leben: 5. Deutscher AAL-Kongress

  1. Sehr interessant, danke für den Blog Post Bianca.

    Gewisse Touchscreen-Gesten müssten tatsächlich zuerst erlernt werden, weshalb die These vertretbar ist, dass Touchscreens meist keine „Natural User Interfaces“ sind.
    Spannend ist was im Bereich NUI sonst noch so läuft. Gestensteuerung im Operationssaal beispielsweise:
    http://www.mikroelektronik.fraunhofer.de/de/presse-medien/vue-nachrichten/article/beruehrungslose-gestensteuerung-im-op.html

    Oder die NASA welche Fahrzeuge per Kinect steuert:
    http://www.gizmowatch.com/nasa-builds-kinect-controlled-legged-huge-space-vehicle.html

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