Design Thinking vs. User Centred Design

Seit geraumer Zeit ist der Begriff Design Thinking zumindest in der gestalterischen Zunft in aller Munde. Es wird hochgelobt als neue Vorgehensmethode, die zum Gral der kundenorientierten Produkte führt.

Aber ganz ehrlich, je mehr ich mich mit diesem Thema befasse, desto mehr komme ich zum Schluss, dass wir das Gleiche mit unserem altehrwürdigen User Centred Desgin schon seit mehr als 20 Jahren machen. Man könnte also sagen „alter Wein in neuen Schläuchen!“

Was David Kelley und sein d.school „erfunden“ hat und z.B. Hasso Plattern (Mitgründer von SAP) intensiv unterstützt, ist im Grunde nichts anderes, als das, was die Usability-Engineers schon immer gemacht haben. Zugegeben, die Design Thinking Methode hat die bunteren Post-It’s und ist noch etwas unkonventioneller unterwegs, doch die Methoden und die Vorgehensweisen sind sich sehr ähnlich.

Die Betrachtung der beiden Vorgehensweisen zeigt deutlich, dass die beiden Methoden sich sehr ähneln. Vor allem wenn man es mit der ISO 9241 Teil 210 verglicht, sind die Schritte der beiden Methoden bis auf ihre Anzahl genau gleich!

Beispiel des Design Thinking Vorgehens aus «Management magazin, Trend, Februar 2016»
Beispiel des Design Thinking Vorgehens aus „Management magazin, Trend, Februar 2016“

 

Die zwei ersten Schritte „Verstehen“ und „Sichtweise definieren“ des Design Thinking Vorgehens entsprechen dem ersten Schritt in der ISO, der Nutzungskontextanalyse (bei soultank AG entspricht dies dem „Analysieren“).

ISO 9241 Teil 210 nach soultank AG
ISO 9241 Teil 210 nach soultank AG

 

Der zweite Schritt des Design Thinking Modells „Ideen finden“ entspricht dem Schritt 2 der ISO-Norm, nämlich der „Anforderungsspezifikation“ (bei soultank AG „Konzipieren“).

Die beiden nächsten Schritte „3 Visualisieren“ und „4 Überprüfen“ der zwei Modelle sind sogar identisch! Wobei hier vor allem die Mächtigkeit beider Vorgehensmodelle liegt, gemäss dem Grundsatz „früh visualisieren und schnell testen“, „test early, test often“ oder in der Design Thinking Sprache „Demo or die!“.

Spannend ist, dass die Design Thinking Methode explizit einen Schritt einbezieht, bei dem Ideen entwickelt werden, bei der die effektive „Ideation“ geschieht. Beim UCD-Vorgehensmodell könnte kritisiert werden, dass der „Ideation“ kein separater Schritt gewidmet wird. Dieses „Ideen finden“ ist im Schritt zwei der ISO „Konzipieren“ verankert, allerdings wird es nicht explizit erwähnt.

Das Thema „Empathie“ wird im Design Thinking Modell speziell erwähnt. Guter Schachzug, dies explizit zu adressieren, denn das gesamte Entwicklungsteam sollte diese Einstellung leben! Doch gehe ich grundsätzlich davon aus, dass ein guter Usability- oder UX-Engineer eine äusserst hohe Empathie für die zukünftigen Nutzer aufbringt.

Im Design Thinking Modell wird ein interdisziplinäres Team für die UX-Arbeit vorausgesetzt. Dies empfielt auch das UCD-Vorgehensmodell (EN ISO 9241-210 S.12).

Mein Fazit zu den beiden Vorgehensarten: „same, same, but a little different!“ Aber dass die beiden Vorgehensarten dasselbe Ziel haben, ist doch einfach genial!

Marcel B.F. Uhr

Lesen Sie einen weiteren Blogartikel zum Thema: (User-Centered + Thinking + Design = Problemlösen + Innovation)?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.