Oh, du schöne neue Bilderwelt – vom Einsatz von Bildern im Web: Teil 2

Emotionen bei Bildern

Bilder haben die Eigenschaft, Emotionen in uns hervorzurufen. Doch bei dieser Funktion erfüllen Bilder je nach Website einen unterschiedlichen Zweck.  B2C-Produkt-Websites sollen sicherlich «Freude» bei den Benutzern hervorrufen. Wenn es um Spenden-Websites geht, dann stehen «Leid», vielleicht auch «Furcht» und «Wut» im Vordergrund. Bei Websites mit einem Dienstleistungsangebot ist «Interesse» sicherlich angebracht, die Vermittlung von «Freude» erscheint uns aber vielfach eher unpassend. Es ist daher wichtig, die Bilder entsprechend der generellen Emotionalität der Website auszuwählen.

Das Bild, ein gestalterisches Element

Es gibt viele Studien zum Thema User Experience und Attraktivität von Websites, deren Aussagen jedoch teilweise sehr gegensätzlich sind. Deshalb möchten wir dieses Thema nicht vertiefen, sondern eher pragmatisch festhalten: Noch vor wenig Jahren waren Websites eher Textwüsten. Wenn wir heute ab und an auf eine ältere Website stossen, erscheint uns diese eher trostlos oder gar langweilig. Es scheint heute also notwendig, auf Websites mit Bildern als gestalterisches Element zu arbeiten. Dabei sollte aber immer beachtet werden, welchen Zweck die Bilder erfüllen sollen.

Bilder werden nicht nur aufgrund des Informationsgehaltes oder der Attraktivität beurteilt. Auch deren Authentizität ist für die Benutzer sehr wichtig.

Produktbilder sind auch hier wieder weniger heikel, professionell erstellte Bilder werden eher bevorzugt. Diese hinterlassen im Gegensatz zu qualitativ schlechteren Bildern, wie etwa mit dem Handy geschossene Fotos, einen positiveren Eindruck. Bei Bildern mit Personen, wurde uns jedoch während Usability Tests bei Websites vielfach zurückgemeldet, die verwendeten Bilder seien gestellt, unnatürlich, austauschbar oder wirkten gekauft. Benutzer lehnen daher nicht nur Bilder ab, deren Informationsgehalt fragwürdig ist. Die Rückmeldungen zeigen, dass Benutzer zu oft mit austauschbaren Bildern konfrontiert wurden, die resultierende Abneigung solchen Bildern gegenüber ist verständlich. Gar merkten Benutzer an, sie bevorzugen bei Personenbildern eher diejenigen, die unprofessionellen aussehen. Einfach nur deshalb, weil sie lebendiger wirken. Wahrscheinlich wird dabei ihre Wahrnehmung auch durch die Nutzung von sozialen Medien beeinflusst. Freunde und Kollegen posten da mehrheitlich eher unprofessionelle Fotos, was für die wenigstens Follower jedoch ein Problem darstellt.

Grösse von Bildern

Nicht nur das gezeigte Sujet, sondern auch die Grösse der Bilder ist bestimmend, wie stark sie die Attraktion von Benutzern auf sich ziehen. Können Bilder einen substanziellen Informationsgehalt vermitteln, wie etwa bei Produkten, sind grosse Bilder nicht weiter schlimm. Stehen die Bilder aber für Kategorien von Dienstleistungen und schaffen es nicht, die Inhalte passend hervorzuheben und zu beschreiben, ist der Nutzen der Bilder relativ gering. Benutzer müssen sich dann v.a. mit Überschriften und Kurzbeschreibungen orientieren, weshalb die Bilder nicht zu stark von diesen informationsgebenden Inhalten ablenken sollten. Das folgende Beispiel zeigt die Struktur einer Kategorienseite, welche wir getestet hatten: Die Testpersonen nahmen hauptsächlich grosse Bilder mit wenig Informationsgehalt wahr, nicht aber die kurzen Beschreibungen, was sie negativ bewerteten.

Beispiel einer Kategorienseite mit grossen Bildern und wenig Beschriftung

Fazit

Bilder sind ein wichtiges gestalterisches Element, welches die Attraktivität einer Website erhöht. Sie sollten jedoch nicht unbedacht eingesetzt werden. Denn nicht jeder Einsatz von Bildern ist für die Benutzer gewinnbringend, besonders wenn Bilder bei Kategorien- oder Übersichtsseiten als orientierendes Element eingesetzt werden. Zu beachten ist:

  • Bilder sollten den dahinterliegenden Inhalt bestmöglich beschreiben
  • Je nach gewähltem Bildausschnitt werden unterschiedliche Dinge hervorgehoben
  • Es können auch falsche Emotionen vermittelt werden
  • Die Wahrnehmung und das Verständnis von Benutzern ist unterschiedlich
  • Dienstleistungen sind mit Bildern schwieriger darzustellen als Produkte
  • Bilder sollten nicht zu gestellt wirken, Authentizität wird bevorzugt
  • Dient ein Bild zur Orientierung, aber ist der Informationsgehalt des Bildes gering, sollte eine kleinere Bildgrösse gewählt werden

Zum Teil 1 von: Oh du schöne neue Bilderwelt – vom Einsatz von Bildern im Web

Adrian Lauper

 

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