Visions Prototypen

Zum Thema Prototyping hört man ja oft: „Nicht zu früh, zu detailliert visualisieren!“ Das unterschreibe ich, denn detaillierte Prototypen sind aufwendiger, zu korrigieren. Und gewiss ist: Die Änderungen werden kommen! 😉 Es gibt aber eine Ausnahme, für die es sich lohnt, früh zu visualisieren.

Und zwar sollte ganz am Anfang eines jeden Produktentwicklungsprozesses ein kleiner aber sehr hübsch gestalteter Visions-Prototyp erstellt werden. Dieser bietet folgende Vorteile:

  • Du planst Dein Projekt realistischer
  • Du förderst die Vorstellungskraft und schaffst ein gemeinsames Verständnis für das Endprodukt
  • Du vermarktest Dein Projekt erfolgreicher
  • Du vereinfachst die Evaluation eines geeigneten Entwicklers

Projektplanung realistischer gestalten

Du wirst bei der Erstellung des Visions Prototyps bereits auf ungeahnte Herausforderungen stossen. Diese betreffen zu Beginn meist die Informationsarchitektur oder die Komplexität. Einiges kannst Du evt. schon lösen, bevor zu viele Menschen in der Entwicklung involviert sind. Andere Dinge kommen auf die To-Do-Liste. Das sind meist Dinge, die Du sonst bei der Planung vergessen oder unterschätzen würdest.

Vorstellungskraft fördern und gemeinsames Verständnis fördern

Nicht jede Person hat eine gute Vorstellungskraft: Der ausgestaltete Prototyp hilft, sich die Lösung besser vorstellen zu können. Du hilfst Deinen Mitarbeiter*innen damit, das gleiche Bild vor Augen zu haben.

Von nun an sprechen alle involvierten Personen die gleiche Sprache. Naja… es gibt auch hier noch Ausnahmen! 😉 Die gibt’s doch immer, oder? Aber bestimmt wirst Du merklich weniger unnötige Diskussionen führen müssen und das Risiko von Missverständnissen verkleinert sich.

Projekt vermarkten

Wenn Du von Investoren oder Entscheidern abhängig bist, empfiehlt es sich ein Visions Prototyp ganz besonders. Lass ihn für sich sprechen. Das Projekt wirkt automatisch ausgereifter und vielversprechender. Das sind unschlagbare Verkaufsargumente, mit welchen Du Dich von möglichen Mitbewerber*innen abheben kannst.

Evaluation von Entwicklern erleichtern und verbessern

Die Evaluation von Entwicklungspartnern wird Dir leichter fallen. Der Prototyp dient als Basis für das Pflichtenheft. Was braucht es? Wer kann wie und wann liefern? Was geht und was nicht? Wo musst Du vielleicht auch Abstriche bei der Lösung in Kauf nehmen und warum? Es wird Klartext gesprochen und das ist auch gut so! Denn: Lieber jetzt, als später.

 

Visions Prototyp

Doch nicht vergessen…

Auch wenn vieles für Visions Prototypen spricht, so gibt es dennoch einige Dinge berücksichtigen.

Back to the roots

Und zwar musst Du bereit sein, wieder einen Schritt zurück zu machen. D.h. von nun an sollten die Prototypen wieder einfacher gehalten werden, um die einzelnen Funktionen und Abläufe zu demonstrieren und zu testen. Du willst niemanden zum Pixelschubser degradieren und seine Tage mit belanglosem Hin-und Herschieben von Elementen füllen. Dafür ist Eure Zeit zu kostbar. Jetzt ist wieder Pragmatismus gefragt.

Erwartungsmanagement

Und weiter ist es wichtig, dass Du Deine Stakeholder korrekt informierst. Nicht selten staunen die Gönner darüber, wie lange die Entwicklung dann doch noch dauert: «Es war doch schon fast fertig?!».

Diesem Irrglauben musst Du früh Einhalt gebieten. Das machst Du am besten, indem Du den Entwicklungsprozess deutlich aufzeigst. Du willst ja keine falschen Erwartungen schüren, die Du dann nicht erfüllen kannst.

Kosten

Ja, das Prototyping wird Dich etwas kosten. Zeit und/oder Geld. Doch das ist wirklich gut investiert:

  • Du wirst im Prozess später dafür wesentlich mehr Zeit einsparen, als Du hier investierst
  • Du minimierst Dein Projektrisiko, weil vieles früher auf den Tisch kommt und Du Herausforderungen frühzeitig angehen kannst. Es wird deutlich weniger Überraschungen für Dich und Dein Team geben.
  • Die Nerven Deiner Teammitglieder werden geschont, weil die Planung realistischer ist. Doppelspurigkeiten werden reduziert und nachträglich gross angelegte Umbauarbeiten können verhindert werden.

 

Bonus

Da sich die Vision eines Produkts oder eines Dienstes im Verlauf der Zeit auch ändern kann, lohnt es sich bei längeren Projekten von mehr als einem halben Jahr, mehrere Visions-Prototypen zu erstellen. Immer wieder als Erinnerung für das Team, was Ihr erreicht habt und wohin Ihr eigentlich wollt. Das kann schon mal vergessen gehen.

Ein Visions Prototyp ist auch eine tolle Möglichkeit, die Projekt-Historie zu dokumentieren. An der Relaunch-Party kann diese präsentiert werden und Ihr könnt auf eine fassbare Geschichte zurückblicken. Ihr dürft stolz darauf sein, was Ihr gemeinsam geschafft habt!

In diesem Sinne wünsche ich Euch weiterhin viel Schaffenskraft und viel Freude daran, Dinge zu gestalten und zu entwickeln!

 

P.S. Wie sind Eure Erfahrungen? Arbeitet Ihr auch mit Visions-Prototypen oder eher nicht? Warum und warum nicht?

Autorin

Nadja Schmid ist Geschäftsleiterin und UX Expertin bei soultank. Sie hilft Projektteams dabei, ihre Entwicklungsabläufe so zu gestalten, dass der Nutzer immer wieder ins Zentrum gestellt wird. Das verringert Projektrisiken und kostet am Ende weniger Geld!

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